Erläuterungen zum Garten der Bibel

Wir begrüßen Sie in der Welt der biblischen Pflanzen. Aus der Fülle von über hundert biblischen Pflanzen haben wir für Sie einige herausgesucht, die (mit ein paar Ausnahmen) auch in unseren Breiten gedeihen.

Wir wünschen Ihnen anregende Erkenntnisse und Entdeckungsfreude bei Ihrem Blick auf einen vielleicht nicht allzu bekannten Teil der Bibel.

Gras

Wir haben unterschiedliche Grassorten in größeren Gruppen gepflanzt. Sie sollen dem Garten Ruhe und Struktur verleihen. Im Winter werden die verblühten Rispen stehen bleiben und auch dann von der Schönheit dieser einfachen Pflanzen zeugen.

Ein Bruder aber, der niedrig ist, rühme sich seiner Höhe und der da reich ist, rühme sich seiner Niedrigkeit, denn wie die Blume des Grases wird er vergehen. Die Sonne geht auf mit Hitze und das Gras verwelkt, und seine Blume fällt ab, und seine schöne Gestalt verdirbt: so wird der Reiche in seinen Wegen verwelken.

Jakobus 1,9-11

Mandelbaum (lat. prunus tenella)

Der Mandelbaum kommt in der Bibel im Buch des Propheten Jeremia vor (Kapitel 1,Vers11). Dort steht der im Zusammenhang mit der Botschaft von der Zuverlässigkeit des Wortes Gottes, die Jeremia auszurichten hat. Diese Stelle hat Schalom Ben Chorin dazu angeregt, 1942(!) dieses Gedicht zu schreiben, das mitten in der schwersten Zeit von Hoffnung und Zuversicht spricht. Es wurde später von Fritz Baltruweit vertont und steht unter der Nummer 659 in unserem Evangelischen Gesangbuch. Der Jude Schalom Ben Chorin wurde 1913 als Fritz Rosenthal in München geboren. Er ist 1935 nach Israel ausgewandert und lebte als Publizist und Schriftsteller in Jerusalem. Er ist dafür bekannt geworden, dass er sich durch Vorträge in Deutschland und bei der Mitarbeit beim Deutschen Evangelischen Kirchentag intensiv um christlich – jüdische Zusammenarbeit bemühte. Er starb im Jahr 1999.

Mandelbaum

Freunde, dass der Mandelzweig
wieder blüht und treibt.
Ist das nicht ein Fingerzeig,

dass die Liebe bleibt?

Tausende zerstampft der Krieg,
eine Welt vergeht.
D
och des Lebens Blütensieg
leicht im Winde weht.

Dass das Leben nicht verging,
so viel Blut auch schreit,

achtet dieses nicht gering
in der trübsten Zeit.

Freunde, dass der Mandelzweig
sich in Blüten wiegt,
bleibe uns ein Fingerzeig,
wie das Leben siegt.

Gedicht von Schalom Ben-Chorin (ursprünglich Fritz Rosenthal) nach Jeremia Kapitel 1 Vers 11

Weinstock (lat. vitis vinifera)

„Soll ich meinen Wein lassen, der Götter und Menschen fröhlich macht?“ so fragt in der alttestamentarischen Jotam–Fabel der Weinstock die Pflanzen, die ihn zum König küren wollen (im Buch Richter 9,13). Dass der Wein Menschen erfreut, ist in der Bibel immer wieder zu lesen. Schon seit dem 3. Jahrtausend vor Christus war die Produktion von Wein in Palästina und Syrien bekannt und spielte eine große wirtschaftliche Rolle. Im Orient baut man Wein oft auf ebenem Boden an. Seinen tiefgründigen Wurzeln (bis 4 m) finden auch in schwierigen Lagen noch genügend Feuchtigkeit.

Unser Weinstock an der Südseite der Kirchenwand ist eine rote Sorte und trägt den schönen biblischen Namen “Ester“.

Weinstock

Jesus Christus spricht „Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht.“
Johannes-Evangelium, Kapitel 15 Vers 5

 

 

Am Abend vor seinem Tod nahm Jesus auch den Kelch nach dem Abendmahl, dankte und gab ihn seinen Jüngern und sprach: „Nehmet hin und trinket alles daraus. Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird.“
Lukas-Evangelium, Kapitel 22 Vers 20

Feige (lat. ficus carica)

Die erste Pflanze, die in der Bibel mit Namen genannt wird, ist der Feigenbaum. Nach der Vertreibung aus dem Paradies flochten sich Adam und Eva, die vorher nackt waren und sich nicht voreinander schämten, Feigenblätter zu einem Schurz. Die großen, gelappten Blätter des 3 bis 5 Meter hohen Feigenbaumes eignen sich für diesen Zweck hervorragend.

Der Feigenbaum war im Altertum jedoch nicht so sehr für provisorische Bekleidung bedeutsam, sondern viel mehr als Nahrungsmittel. Die Feige gehört zu den typischen Bäumen des palästinischen Kulturlandes und ist überall in wilder oder kultivierter Form anzutreffen.

Als Zeichen des Ertragreichtums brachten die von Mose ausgeschickten Kundschafter neben einer großen Weintraube und Granatäpfel auch Feigen mit.

Da der blattreiche Baum häufig einzeln steht, bietet er Wanderern in der freien Natur, aber auch Hausbewohnern im Garten in den Sommermonaten einen willkommenen Schutz vor der brennenden Glut der Mittagshitze. „Unter dem Feigenbaum sitzen“ wurde so in der Bibel zu einem Bildwort für ein Leben ohne Sorgen, Hektik und Stress. Wer sich dort niedersetzen kann, der genießt Wohlergehen, Frieden und Ruhe (siehe z.B. im Buch Sacharia 3,10: „ Zu der selben Zeit, spricht Jahwe Zebaoth, wird einer den anderen einladen unter den Weinstock und unter den Feigenbaum“).

Es gibt auch eine weitere, ganz berühmte Stelle im alten Testament, in  der der Feigenbaum erwähnt wird.

Der Prophet Micha schreibt in seiner Vision des Friedens: Sie werden ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen. Es wird kein Volk wider das andere das Schwert erheben und sie werden hinfort nicht mehr lernen Krieg zu führen. Ein jeder wird unter seinem Weinstock und Feigenbaum wohnen und niemand wird sie schrecken. Denn der Mund das Herrn Zebaoth hat`s geredet.

Wir haben die Sorte „Bayernfeige violetta (lat. Fcus bavarica) ausgewählt. Sie ist die frosthärteste unter den wohlschmeckenden Feigen und hält, wenn sie erwachsen ist, für einige Zeit bis -20°C aus.

 Feige

„Sieh nur, der Winter ist dahin; vorüber, fort ist der Regen. Die Blumen erscheinen im Lande, die Zeit des Singens ist da und das Gurren der Turteltaube hebt an. Am Feigenbaum röten sich die Früchte.“
Hoheslied, Kapitel 2, Verse 11-13

„Da wurden Adam und Eva die Augen aufgetan und sie wurden gewahr, dass sie nackt waren und flochten Feigen-blätter zusammen und machten sich Schurze.“
1. Buch Mose, Kapitel 3 Vers 7

Ölbaum (lat. olea europaea)

Der Ölbaum wird über 150 mal in der Bibel erwähnt. Aus seinen Früchten wurde Öl gepresst, das nicht nur als Grundnahrungsmittel diente, sondern auch als Leuchter-, Salb- und Kosmetiköl verwendet wurde.

Östlich des Tempelberges in Jerusalem am Hang des Ölberges liegt der Garten Gethesamane mit seinen alten Ölbäumen, die vielleicht noch aus der Zeit stammen. Dort ging Jesu mit seinen Jüngern nach dem letzten Mal (Gründonnerstag) um zu beten. In der Nacht wurde er dann verraten und verhaftet.

Lilien

Vielleicht sind in diesem berühmten Wort der Bergpredigt nicht einfach „schöne, wilde Blumen“ gemeint. Deswegen haben wir unter anderem auch die Römische Kamille, Türkenmohn, Astern, Dipdam, Wildtulpen, Krokus und Leinkraut, (lat. Linaria dazu gepflanzt. Der Kies soll an den Wüstenboden erinnern, in dem sich die Pflanzen Palästinas mühsam behaupten.

Lilien

Jesus Christus spricht:
„Sorgt nicht um eu
er Leben, was ihr essen und trinken werdet; auch nicht um euren Leib, was ihr anziehen werdet.
Ist nich
t das Leben mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung?
Warum sorgt ihr euch um die Kleidung?
Schaut die Lilien auf dem Feld an, wie sie wachsen: sie arbeiten nicht, auch spinnen sie nicht.
Ich sage euch, dass auch Salomo in a
ller seiner Herrlichkeit nicht gekleidet gewesen ist wie eine von ihnen.“
Matthäus-Evangelium (Bergpredigt), Kapitel 6 Vers 28 und 29

Lein, Flachs (lat. Linum bienne)

Flachs diente zusammen mit Wolle als wichtigstes Material zum Weben von Stoffen für Kleidung und Wäsche.

Auf dem Jexhof bei Schöngeising kann man einige Geräte zum Herstellen und Weben von Leinen sehen.

Der Kulturflachs ist ein einjähriges Kraut, das etwa 50 cm hoch wird. Der aufrechte Stängel verzweigt sich zur Spitze hin. Seine Zweige haben lange schmale Blätter und auffallende blaue Blüten.

Die Flachspflanze wird nicht nur der Faser, sondern auch der Samen wegen (Leinsamen), die einen hohen Ölgehalt haben, angebaut. Der Anbau lässt sich in den Ländern des Mittleren Ostens bis etwa 5000 vor Christus zurückverfolgen.

Wir haben eine mehrjährige Sorte gepflanzt.

Schilf (entlang der Mauer an der Nordseite des Bibelgartens)

Echtes Schilf würde auf unserem trockenen Standort nicht wachsen. Wir sind auf ein schilfähnliches Gras ausgewichen mit dem schönen lateinischen Namen: Miscantus giganteum. Es wird bis zu 3 Meter hoch.

Dornen

Wir haben direkt neben dem Kreuz Rosen mit vielen Dornen gesetzt. Aus welchen Zweigen man die Dornenkrone für Jesu band, wissen wir nicht. „Die so ausgiebig diskutierte Frage, ob die bei Matthäus, Markus und Johannes erwähnte Dornenkrone vom Ziziphus-Baum (Christusdorn, lat.ziziphus spina-christ) geflochten wurde, lässt sich folgendermaßen beantworten: es gibt mindestens ein Dutzend dorniger Pflanzenarten in Jerusalem. Davon ist Sarcopterium spinosum, ein Zwergstrauch, sehr verbreitet und dürfte deshalb am ehesten als die dafür verwendete Pflanze in Frage kommen. In der christlichen Tradition ist es jedoch der Ziziphus. Dazu sei gesagt, dass an östlichen Hängen des Tempelberges noch einige Christusdornbäume wachsen.“ (nach Michael Zohary, Die Pflanzen der Bibel, Calwer, Stuttgart 1983 S.154)

Da nahmen die Soldaten des Statthalters Jesus mit sich ... und zogen ihn aus und legten ihm einen Purpurmantel an und flochten eine Dornenkrone und setzten sie ihm aufs Haupt und beugten die Knie vor ihm und verspotteten ihn und sprachen: „Gegrüßet seist du, der Juden König!“ und spien ihn an und nahmen das Rohr und schlugen damit sein Haupt.“
Matthäus-Evangelium, Kap. 27, 27-29

Elsbeere (lat.sorbus torminalis) -

Kleinbaum links neben dem Kircheneingang

Luther schrieb in seinem Brief an den Freund Johann Agricola (20.09.1526): „Grüße deine große und unsere kleine Else und unsere Hanna. Zugleich bitte ich, mögest du und mit Philipp mehrere von jenen oder ziemlich kliene Mispeln schicken, auf deutsch Eltzbeer genannt, weil meine Cathena (Katharina) solche begierig hinunterschlürft, mehr jedoch die schwangere Eberadissa.“ (aus dem Lateinischen übersetzt)

Die Elsbeere ist ein kleinwüchsiger Baum, der vorallem in Mitteldeutschland heimisch ist. Seine Früchte sind essbar.

Bitterkräuter

Im Garten wachsen Mannstreu, Wegwarte, Salbei und Thymian.

Gegen Abend soll die ganze versammelte Gemeinde Israel die Lämmer schlachten. Man nehme etwas von dem Blut und bestreiche damit die beiden Türpfosten und den Türsturz an den Häusern, in denen man das Lamm essen will. Noch in der gleichen Nacht soll man das Fleisch essen. Über dem Feuer gebraten und zusammen mit ungesäuertem Brot und Bitterkräutern soll man es essen.
                                                                                         2. Mose 12, 6-8

Wacholder

Was hat Efraim noch mit den Götzen zu tun?
Ja, ich erhöre ihn, ich schaue nach ihm.
Ich bin wie der grünende Wacholder, an mir findest du reiche Frucht.
Hosea 14, 9 (Einheitsübersetzung)

Minze

Weh euch, ihr Schrift gelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr gebt den Zehnten von Minze, Dill und Kümmel und lasst das wichtigste im Gesetz außer acht: Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und Treue. Man muss das eine tun, ohne das andere zu lassen. Blinde Führer seid ihr: Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Kamele.
Wehe euch, ihr Schriftgelehrten und Pharisäer, ihr Heuchler! Ihr haltet Becher und Schüsseln sauber, innen aber sind sie voll von dem, was ihr in eurer Maßlosigkeit zusammengeraubt habt.
Matthäus 23, 23-25

Lavendel

Sechs Tage vor dem Passahfest kam Jesu nach Bethanien, wo Lazarus war, den er von den Toten auferweckt hatte. Da nahm Maria ein Pfund echtes, kostbares Nardenöl, salbte Jesus die Füße und trocknete sie mit ihrem Haar. Das Haus wurde vom Duft des Öls erfüllt.
Johannes 12, 1+3

Brennender Busch

Der Dipdam könnte der brennende Busch sein. Seine Blätter enthalten ätherische Öle, welche sich bei großer Hitze entzünden können.

Mose aber hütete die Schafe Jethros, seines Schwiegervaters, des Priesters in Midian, und trieb die Schafe hinter die Wüste und kam an den Berg Gottes, Horeb. Und der Engel des Herrn erschien ihm in einer feurigen Flamme aus dem Busch. Und er sah, dass der Busch mit Feuer brannte und ward doch nicht verzehrt.
2. Mose 3, 1-2 (Bild einer Blüte)

 

Die Linde, der Baum der Romantik und der Geselligkeit

Vor Ihnen steht eine Sommerlinde. Unterschied zur Winterlinde hat die Sommerlinde größere Blätter und Früchte.

Linden sind sommergrüne Bäume mit mehr oder weniger herzförmig geformten Blättern.
Die Bastfasern ihrer Rinde nutzte man  zu Flecht-  und Seilerware, sowie im Garten als Bindematerial. Die Blüten durften intensiv und sind eine hervorragende Bienenweide. Die getrockneten Blüten ergeben den bekannten, schweißtreibenden Lindenblütentee.
Das Holz lässt sich leicht und sauber verarbeiten und wird daher von Bildhauern und Drechslern geschätzt. Einer der bekanntesten Holzbildhauern ist Tilman Riemenschneider.

Linden sind bei uns eher selten in Laubmischwäldern zu finden.
Die Linde stand wie kein anderer Baum  im Mittelpunkt des kulturellen Lebens unserer Vorfahren. Linden waren Treffpunkt der Dorfgemeinschaft, unter ihren mächtigen, dicht belaubten Kronen feierte man Feste oder kam zu Beratungen zusammen.
Quelle: Laubbäume Autoren G. Aas und A. Riedmiller Verlag Naturführer

Kein Geringerer als Martin Luther sagte über die Linde: "Unter den Linden pflegen wir zu singen, trinken und tanzen und fröhlich zu sein, denn die Linde ist uns ein Friede- und Freudebaum!"
Und die Autorin Doris Laudert beschreibt die Linde so: "Sie verbreitet innige Mütterlichkeit und während der Blütezeit wirkt der Baum wie eine einzige Umarmung von Bienen und Blüten. Blühende Linden rufen Empfindungen wach, die schwer in Worte zu fassen sind und am ehesten noch mit Begriffen wie Heimat, Wärme und Geborgenheit umschrieben werden können."

Kein schöner Land

1. Kein schöner Land in dieser Zeit
als hier das unsere, weit und breit,
:wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit.:

2. Da haben wir so manche Stund
gesessen da in froher Rund,
:und taten singen, die Lieder klingen im Eichengrund.:

3. Daß wir uns hier in diesem Tal
noch treffen
soviel hundertmal,
:Gott mag es schenken, Gott mag es lenken, er hat die Gnad.:

4. Nun Brüder, eine gute Nacht,
der He
rr im hohen Himmel wacht,
:in seiner Güte, uns zu beh
üten, ist er bedacht.:

Worte und Weise: Anton Wilhelm Florentin von Zuccalmaglio  (1803 - 1869) nach älteren Vorlagen gestaltet.