Kaps-Orgel

Beschreibung der Orgel in der Eichenauer Friedenskirche

Eigentlich entsteht jede Orgel als Einzelstück – entworfen als Teil der Raumarchitektur – klanglich genau auf den Raum abgestimmt. So auch die Orgel in der Friedenskirche. Wenn man die Empore betritt, geht man zuerst hinter der Orgel, an den großen Basspfeifen vorbei, bis man vor dem Gehäuse steht. Dieses wurde komplett aus massivem Eichenholz erstellt. Die Konstruktion mit Schlitz- und Zapfenverbindungen ist so ausgelegt, das es ohne weitere Hilfskonstruktionen die Windladen und Pfeifen trägt. 

Resonanz- und Klangeigenschaften des Instrumentes werden durch diese Art der Bauweise unterstützt. In den fünf Prospektfeldern des Obergehäuses stehen die Pfeifen des Registers Principal 8´, das klangliche Fundament der Orgel. Der innere Aufbau des Pfeifenwerkes, auf einer sogenannten "Doppel-Windlade" für die beiden Werke des I. und II. Manuales, entspricht dem Aufbau der Prospektpfeifen. Im Untergehäuse, gekrönt von dem handgezinkten Gurtrahmen, ist die Spielanlage eingebaut. Von hier wird der komplizierte Mechanismus über Holzabstrakten Winkel, Wippen und Wellen zu den Tonventilen und Schleifen der einzelnen Werke geführt.

Die meisten Orgelteile wurden aus massivem Eichenholz hergestellt, so auch Rasterbretter und Pfeifenstöcke. Die Ventile, feinjährig und astfrei, sind mit feinstem Schafleder beledert. Das sichert die Dichtigkeit und fördert einen deutlichen "Druckpunkt" in der Spielart.

Problematisch ist sicher das Raumklima der Friedenskirche – spezielle Schleifendichtungen werden die starken Feuchtigkeitsschwankungen jedoch ausgleichen können.

Die Windversorgung erfolgt über ein Schleudergebläse, sowie über einen Keilbalg, untergebracht in der Kammer hinter der Orgel. Weiter verteilt wird der Wind über Holzkanäle. Diese sogenannte "freie Windversorgung" belebt den Orgelklang und gibt den Pfeifen eine angenehme Ansprache. 

Von den insgesamt 734 Pfeifen sind 54 aus Eichenholz, mit ausschließlich stehenden Jahresringen gefertigt. Die unterschiedlichen Bauformen der Pfeifen, zylindrisch, konisch, gedeckt, teilgedeckt, weite und enge Bauweisen, unterstützen die verschiedenen Klangcharaktere der Register. Alle Innenpfeifen wurden zur besseren Stimmhaltung ab 2´-Länge auf Tonlänge abgeschnitten, Rohrflöte und Bleigedackt sind zugelötet.

Für die Metallpfeifen wurden Zinn-Bleilegierungen verwendet, und zwar: 87% Zinn für den Prospekt und alle anderen Principale, 40% Zinn für die Flöten. Die längste Pfeife ist 2,50m lang (C von Subbass 16´). Die kleinste Pfeife misst nur wenige Millimeter (g´´´ der Terz).

Die Kunst des Intonierens ist es dann, jeder einzelnen Pfeife den richtigen Charakter und Ihre Ansprache zu geben; mit dem Ziel des harmonischen Klanges einzelner Register, sowie aller Register untereinander, abgestimmt auf die akustischen Verhältnisse des Kirchenraumes. 

Diese Orgel sollte nicht die Kopie eines alten Instrumentes sein, sondern ein modernes Werk, nach alten Vorbildern in handwerklicher Sorgfalt gefertigt, und trotz der geringen Registerzahl musikalisch vielseitig einsetzbar sein. Auch auf Grund der angenehmen Zusammenarbeit, ist so ein sehr gutes Instrument entstanden, welches bei guter Pflege für viele Generationen die Gemeinde in guten und schweren Stunden begleiten, Liturgie und Musiklegen in vielfältiger Weise bereichern kann.

Christoph Kaps, Orgelbaumeister

Disposition der neuen Kaps – Orgel

Hauptwerk, I. Manual C - g´´´

Principal  

8´  

87% Zinn, Prospekt

Bleigedackt  

8´  

Eiche / Metall

Octave  

4´  

87% Zinn

Quinte  

2 2/3´  

Metall

Superoctave  

2´  

87% Zinn

Terz  

1 3/5´  

Metall

Mixtur  

1 1/3´  

3fach, 87% Zinn

 

Positiv, II. Manual C – g´´´

Rohrflöte  

8´  

Eiche / Metall

Spitzflöte  

4´  

Metall

Waldflöte  

2´  

Metall

Dulcian  

8´  

Zinn

Tremulant

 

 

 

Pedal C - f´

Subbass  

16´ 

Eiche

 

Koppeln

I – II

 II – P

 I – P

 Sub II - I

 

Ungleichstufig temperierte Stimmung nach "Werckmeister" mit a´ 440 Hz bei 15° C.

 

Ausführung

2002/2003
Orgelbau Kaps

Mitarbeiter:

Jakob Feigl, Schreinermeister

 

Michael Markl, Orgelbauer

 

Matthias Kaps, Schreiner

 

Willi Osterhammer Orgelbaumeister

Orgelsachverständiger, Disposition:   

Markus Bunge

Technische Konstruktion, Projektion:

Matthias Kaps, Christoph Kaps

Entwurf und Intonation:

Christoph Kaps, Orgelbaumeister